Was können wir aus der Sabotage der Vulkan-Gruppe lernen?

Es scheint sich herauszukristallisieren, dass die Vulkangruppe hinter dem Anschlag auf das Gaskraftwerk in Berlin steht. Und nicht, wie von einigen befürchtet bzw. erhofft, irgendwelche russischen Geheimdienstler.

Der Anschlag spaltet die linke bzw. ökologisch bewegte Szene. Überwiegend wird der Anschlag abgelehnt, da er in erster Linie nur den Menschen, aber nicht wie erhofft, den Konzernen geschadet hat. Außerdem kann man sich nur wenig Solidarität erhoffen, wenn diejenigen, die eigentlich für einen kämpfen sollen/ wollen, dafür sorgen, dass man im Kalten sitzt. Daher wird die Aktion innerhalb der Szene tendenziell als Bärendienst bewertet.

Auf jeden Fall hat der Anschlag im politischen Establishment und der bürgerlichen Mitte für ordentlich Unruhe gesorgt. Die Linke (als Bewegung) kann davon ausgehen, dass die Vorwände für Repressionen in nächster Zeit zunehmen werden. Schon jetzt wird der Ruf nach mehr Kameraüberwachung (die natürlich mit KI ausgewertet wird) laut.

Doch kann es auch einen anderen Blick auf die Sabotage geben?

Gehen wir davon aus, dass Sabotage ein probates Mittel ist, dann kann es dabei natürlich auch zu Fehlern kommen. In der Strömung des Insurrektionalismus, ist die Störung der kapitalistisch-bürgerlichen Ordnung nicht nur Mittel sondern auch Zweck. Grundsätzlich „heiligt der Zweck nicht die Mittel“, um in diesem Bild zu bleiben.

Ich möchte nicht auf das völlig verquaste Schreiben der Vulkangruppe eingehen. Wer möchte, kann sich das bei Indymedia zu Gemüte führen. Ich möchte aber den Text auf folgende einfache Formel verkürzen: der Kapitalismus und seine Ausbeutung des Planeten zerstört das Leben und die Grundlage allen Lebens. Da dies nicht oder nicht ausschließlich mit Mitteln der demokratischen Ordnung aufgehalten werden kann, zählt Sabotage quasi zur Notwehr, um diesen Planeten und das darauf befindliche Leben zu retten. Probat sind alle Mittel, die keine Leben gefährden oder sogar töten.

Dem würde ich mich grundsätzlich anschließen.

Ziel der Sabotage war ein finanzieller Schaden. Die Gruppe ist davon ausgegangen, dass die Stromnetze redundant abgesichert sind, so dass neben der Zerstörung der Schaden darin besteht, Strom zukaufen zu müssen.

Und hier hat sich die Gruppe geirrt. Die Stromnetze sind zumindest in Berlin nicht so abgesichert, dass ein Schaden dieser Art kurzfristig abgefangen werden kann. Übrigens eine Kritik, die an vielen Stellen nun laut wurde. Die Vulkangruppe hat uns als Gesellschaft damit auch aufgezeigt, dass wir auf Naturkatastrophen oder auch Anschläge ähnlicher Art nicht vernünftig vorbereitet sind. Eine Maßnahmen, die wir angesichts der Klimakatastrophe schnellstens nachholen sollten. Tadzio Müller propagiert dazu schon lange das solidarische preppen und sich eben nicht auf den Staat zu verlassen.

Meiner Ansicht nach hat die Vulkangruppe daher sich in einem Punkt geirrt: nämlich dass ihre Sabotage zwar einen größeren finanziellen Schaden anrichtet, aber schnell wieder aufgefangen werden kann.

Ob es sinnvoll ist, Konzernen finanziell schaden zu wollen, oder ob diese die Mehrkosten nicht einfach wieder auf die Konsument:innen umlegen, wäre ebenfalls zu diskutieren.

Folgendes lässt sich meines Erachtens aus der Aktion lernen und damit folgt der eingangs erwähnte andere Blick auf die Sabotage:

Es zeigt sich, die Infrastruktur ist nicht so resistent, wie sie es sein sollte. Das bedeutet, wir, sowohl als Individuen aber auch als Gesellschaft, sollten uns besser vorbereiten. Denn nächstes mal ist es vielleicht ein Hochwasser und trifft dich und deine Nachbarschaft.

Sabotage kann sehr effektiv sein und wichtige Bereiche lahm legen. Eine wichtige Erfahrung für uns als Gesellschaft, angesichts der aktuellen politischen internationalen Krisen. Aber auch eine wichtige Erfahrung für militante Gruppen und deren Planung für zukünftige Aktionen.

 

Foto von Tetiana GRY auf Unsplash


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